Bis auf den
Abfalleimer, aus dem der Müll noch vorwurfsvoll herausquillt, ist mein Schlaf-
und Lebensraum einmal mehr ein ordentlicher Orangedufttraum.
In meinem Alter sollte ich stabiler sein, was die eigene Meinung betrifft. Bin ich aber nicht, wenn Papa mich um etwas bittet. Vater meinte: „Du hast was gut bei mir.“ Als wollte ich das. Bei jedem anderen würde es mir leichter fallen. Doch bei Papa oder Mama „Nein“ zu sagen, kommt mir normalerweise gar nicht in den Sinn. Denn die Male, in denen sie zu mir „Nein“ gesagt haben, wenn es wirklich dringend und wichtig wurde, muss ich nicht einmal an einer Hand abzählen.
Oh sorry, ich schreibschwafele hier herum, und keiner versteht, worum es überhaupt geht.
Ich soll eine Hochzeit fotografieren. Die Hochzeit eines Arbeitskollegen meines Bruders, der mit dem Brautpaar befreundet ist.
Das Datum stand schon länger fest. Doch ich dachte, der Kelch – also das Fotografieren auf einer Hochzeit, auf der auch mein Bruder anwesend ist – würde an mir vorübergehen. Es hieß nämlich, der Arbeitskollege meines Bruders würde sich noch in Reha befinden.
Ich glaube, ich kann dort gar nicht so konzentriert fotografieren. Mein Auslösezeigefinger wird wahrscheinlich mehr zittern als sonst.
Außerdem hatte ich das Wochenende bereits anders verplant.
Dann der Schock: Heute lag die Hochzeitseinladung im Briefkasten.
Der Arbeitskollege meines Bruders und seine zukünftige Braut sind ein nettes Paar. Woher ich das weiß? Bereits im letzten Jahr fragte mich der Arbeitskollege meines Bruders, ob ich die Hochzeit eines Verwandten von ihm fotografieren würde. Das habe ich dann auch gemacht. Und wenn mich mein Erinnerungsvermögen nicht trübt, war das damals auch eine schöne Erfahrung.
Mein Bruder wird außerdem noch einen älteren Arbeitskollegen mitnehmen.
Ich möchte allerdings momentan überhaupt nicht in das Auto meines Bruders einsteigen. Neeee!
Die Feier nach dem Standesamt kann ich glücklicherweise zu Fuß verlassen und nach Hause gehen.
Eigentlich sollte ich an das Paar denken, das seinen schönsten Tag vor sich hat. Und was tue ich? Ich denke gerade vor allem an mich. Ich kann es im Moment aber nicht ändern – und genau das ärgert mich am meisten.
Worms war einmal mehr eine hitzige, sommerliche Erfahrung.
Eigentlich
scheue ich Drucksituationen nicht besonders.
Doch alles, was heute mit der Hochzeit zusammenhing, schlug mir auf die Blase.
So sehr, dass ich dreimal die blitzsauberen Toiletten in der „Kaiserpassage“
aufsuchte – und dreimal stand dort eine andere Dame, die über die Sauberkeit
der Toilettenanlage wachte.
Ich hätte sicher noch mehr zu erzählen. Doch gerade schreit mein Kopf ganz laut: „Papa, ich komme Fußball guggen!“
Marokko spielt gegen Frankreich bei der Fußballweltmeisterschaft um den Einzug ins Halbfinale.
Passt gut auf euch auf und seid nett zueinander, wer immer ihr auch seid!?
